Einzelne Schicksale und Projekte etwas näher betrachtet
Glückliche Tage dank Spendengeldern
Pasqualina Marras ist 33 Jahre alt und todkrank. Sie wiegt nur noch 35 kg. Schon seit vielen Jahren ist sie an der Erbkrankheit Thalassämie erkrankt. Ihre beiden Brüder haben sie wegen ihrer Erkrankung verstossen. Sie wohnt in Iglesias, nicht weit von Decimomannu, in einem kleinen Bergort. Ihr Zuhause ist ein von deutschen Luftwaffensoldaten umgebauter Stall - ohne Heizung. Pasqualina ist von dieser heimtückischen Krankheit schon stark gezeichnet: Gesichtsverformungen, Löcher im Gaumen, Zahnausfall, ein offenes Bein, Verformungen der Füsse. (...) An diesem Tag erhielt sie ein Schreiben vom Krankenhaus Cagliari: Das Bein soll amputiert werden. Pasqualina weinte sehr - sie will nicht mehr leben, sie kann nicht mehr. Eine Amputation würde Pasqualina nicht überleben, ist sich auch Heike Nowack von der Deutschen Thalassämiehilfe sicher. So hat Pasqualina die ständigen Bluttransfusionen, das Mittel Desferal und andere Medikamente abgesetzt. Aber Pasqualina hat noch einen letzten Wunsch: Sie möchte mit ihren Freundinnen Daniela, Paula, Monika und Gabriela an der Costa Rei noch einige Tage verbringen. Sie möchte aus ihrer kargen Behausung raus und das Meer sehen.
Mit diesen Sätzen wurde in der Ausgabe 12/96 der Zeitschrift Luftwaffe das Schicksal von Pasqualina Marras geschildert und zu Geldspenden aufgerufen, um ihr den letzten Wunsch erfüllen zu können. Mit Erfolg, denn Dank des Spendenergebnisses von 6.200,- DM konnte Pasqualina gemeinsam mit ihren Freunden zehn Tage lang das Meer und den Strand auf der Mittelmeerinsel Sardinien geniessen.
Zusammen mit Heike Nowack, die die Betreuung vor Ort
übernahm, konnte Pasqualina Die schönsten Tage ihres bisherigen Lebens in
einem Appartement an der Costa Rei verbringen. Das Hotel war hervorragend auf die
Erfordernisse (z. B. Sonderverpflegung) der Thalassämiker eingestellt, und so konnten sie
die Zeit für gemeinsame Ausflüge und andere Unternehmungen nutzen. Das wichtigste war
wohl, dass Pasqualina noch einmal Lebensfreude empfand, auch wenn sich die tödliche
Krankheit durch manche Schwächeanfälle bemerkbar machte. Der letzte Wunsch von
Pasqualina ging somit für sie und ihre Freunde in Erfüllung.
Hilfsaktion für junge Sarden
Im März und Juni des Jahres 1997 wurden insgesamt 27 sardische Thalassämiepatienten nach Deutschland eingeladen und in der Universitätsklinik Hamburg - Eppendorf (UKE), Abt. Med. Biochemie, untersucht. Sinn der Untersuchungen war es, den Eisengehalt in Leber und Milz zu bestimmen und somit Ausgangsdaten zur Wahl der medikamentösen Einstellung der weiteren Therapie oder zur körperlichen Verfassung im Hinblick auf eine Knochenmarktransplantation zu erhalten. Vorgenommen wurde die Untersuchung mit Hilfe eines weltweit nur zweimal vorhandenen Messgerätes, dem SQID - Biomagnetomaten. Die Messung erfolgt, indem die Störung eines von aussen angelegten kleinen Magnetfeldes durch das Speichereisen der Leber des Patienten zur genauen Bestimmung des Eisengehaltes ausgenutzt wird.
Da die Patienten aus sozialschwachen Familien stammen, war die Untersuchung und der Aufenthalt für sie kostenfrei. Zuständig für die Betreuung und Unterbringung waren die Soldaten der Unteroffiziersschule der Luftwaffe in Pinneberg, 20 km ausserhalb der Hansestadt Hamburg. Um den beiden Gästegruppen Hamburg und Umgebung näher zu bringen, wurde ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm vorbereitet, so dass den jungen Sarden der Aufenthalt so schön und erlebnisreich wie möglich gemacht, und sie für die Strapazen der Anreise und Untersuchung entschädigt wurden.
Los ging das Freizeitprogramm jeweils am ersten Tag nach der Untersuchung im UKE mit einer Hafen- und Stadtrundfahrt und einem anschliessenden Einkaufsbummel durch die City. Einen vergnügten und geselligen Abend verbrachte man bei einem ausgedehnten Abendessen im Restaurant Die Hütte und dem folgenden Besuch in der Discothek Mr. Pommeroy, bei dem bis in die frühen Morgenstunden getanzt wurde. Höhepunkt war bei den beiden Gruppen der Rundflug in einer DO 28, zu dem die Reservistenkameradschaft Appen eingeladen hatte. Auch die Abendvorstellung des Musicals Buddy Holly löste bei den Sarden Begeisterung aus. Es wurde kräftig geschunkelt und mitgesungen. Am Sonntag ging es etwas besinnlicher zu: Ein katholischer Gottesdienst stand auf dem Programm.
Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass beide Wochen erfolgreich und äusserst interessant verliefen und sowohl den Sarden wie auch allen Betreuern noch lange in Erinnerung bleiben werden. Sicherlich wurde auch ein Beitrag zur Völkerverständigung geleistet. Begeistert zeigten sich die Betreuer vom Lebensmut und Erlebnishunger der jungen Leute, obwohl mancher von ihnen möglicherweise nur noch wenige Jahre zu leben hat.